Plexiglas fräsen ohne Fehler – Die komplette Anleitung

Plexiglas, auch als Acrylglas bekannt, lässt sich mit geeigneten Werkzeugen und Maschinen präzise fräsen. So entstehen saubere Formen, exakte Bohrungen und glatte Kanten. Entscheidend sind jedoch scharfe Fräser, korrekt eingestellte Drehzahlen und eine effektive Kühlung. Denn Acrylglas reagiert empfindlich auf Hitze. Wird falsch gearbeitet, drohen Schmelzen, Ausbrüche oder Spannungsrisse. Mit der richtigen Vorbereitung, passenden Maschinen und einer sauberen Nachbearbeitung erzielen Sie hingegen professionelle Ergebnisse – sowohl per Handfräse als auch mit CNC-Technik.

Plexiglas fräsen ohne Fehler – Die komplette Anleitung
Plexiglas fräsen ohne Fehler – Die komplette Anleitung

Das Wichtigste zum Plexiglas fräsen in Kürze

  • Plexiglas lässt sich mit Handfräse, Tischfräse oder CNC-Router präzise bearbeiten.
  • VHM- oder Diamantfräser mit scharfen Schneiden sind ideal.
  • Hohe Drehzahlen (18.000–24.000 U/min) bei geringem Vorschub verhindern Hitzeprobleme.
  • Mehrstufiges Fräsen bei dicken Platten reduziert Spannungen.
  • Kühlung, Fixierung und Schutzfolie sind essenziell für saubere Ergebnisse.

Wie fräst man Plexiglas richtig?

Plexiglas wird mit scharfen VHM- oder Diamantfräsern bei hoher Drehzahl (18.000–24.000 U/min) und geringem Vorschub gefräst. Wichtig sind eine gute Fixierung, mehrstufige Zustellung bei dicken Platten sowie Kühlung durch Luft oder Sprühmittel, um Schmelzen und Risse zu vermeiden.

Geeignete Werkzeuge für präzises Fräsen

Für saubere Ergebnisse sind spezielle Fräser erforderlich. Besonders geeignet sind VHM-Fräser aus Vollhartmetall. Alternativ kommen Diamantfräser zum Einsatz. Beide Varianten besitzen scharfe Schneiden und einen geringen Spanwinkel. Dadurch entsteht weniger Reibung. Einzahnfräser sind besonders empfehlenswert. Sie reduzieren Hitzeentwicklung deutlich. Das ist wichtig, weil Acrylglas thermoplastisch ist.

Auch die Maschine spielt eine große Rolle. Eine Handfräse eignet sich für kleinere Projekte. Eine Tischfräse bietet mehr Stabilität. Für komplexe Formen ist ein CNC-Router ideal. Profis nutzen Geräte mit integrierter Staubabsaugung und Kühlung. So bleiben Schnittkanten sauber und die Oberfläche wird geschont.

Übersicht der Werkzeuge

Kategorie Empfehlung Zweck
Fräser VHM- oder Diamantfräser Saubere Schnittkanten
Spezialfräser Einzahnfräser Minimale Reibung
Maschinen Handfräse, Tischfräse, CNC-Router Präzise Bearbeitung
Zubehör Schutzfolie, Opferplatte, Klemmen Schutz & Fixierung

Vorbereitung und Fixierung der Acrylglasplatte

Eine gründliche Vorbereitung ist entscheidend. Das Plexiglas sollte auf einer stabilen Unterlage liegen. Ideal ist eine Opferplatte aus Holz. Sie verhindert Ausrisse auf der Unterseite. Außerdem sorgt sie für Stabilität.

Die Schutzfolie sollte während des Fräsens auf dem Material bleiben. Sie schützt die Oberfläche vor Kratzern. Gleichzeitig reduziert sie Verschmutzungen.

Das Werkstück muss fest fixiert werden. Dafür eignen sich Schraubzwingen oder Spannklemmen. Eine schlechte Fixierung führt zu Vibrationen. Diese verursachen ungenaue Schnitte oder Risse.

Auch die Wahl des Fräsers ist wichtig. Der Durchmesser sollte zur Plattendicke passen. Üblich sind 3 bis 8 mm. Bei sehr dicken Platten empfiehlt sich eine größere Stabilität des Werkzeugs.

Richtige Einstellungen: Drehzahl, Vorschub und Zustellung

Acrylglas verlangt hohe Drehzahlen. Empfohlen werden 18.000 bis 24.000 Umdrehungen pro Minute. Gleichzeitig sollte der Vorschub niedrig sein. So entsteht ein sauberer Span.

Die Spandicke sollte zwischen 0,1 und 0,3 mm liegen. Dadurch wird das Material nicht überhitzt. Zu langsame Drehzahlen führen zu Reibung. Zu hoher Vorschub verursacht Ausbrüche.

Bei dickeren Platten ist mehrstufiges Fräsen sinnvoll. Die Zustelltiefe pro Durchgang liegt idealerweise zwischen 1 und 4 mm. So werden Spannungen im Material reduziert. Das Ergebnis ist eine glatte und rissfreie Kante.

Empfohlene Fräsparameter

Parameter Empfehlung
Drehzahl 18.000–24.000 U/min
Spandicke 0,1–0,3 mm
Zustelltiefe 1–4 mm pro Durchgang
Vorschub Niedrig, gleichmäßig

Der Fräsvorgang: Technik und Kühlung

Beim Fräsen sollte stets gegen die Fräserrichtung gearbeitet werden. Dadurch wird das Material sauber geschnitten. Gleichzeitig verbessert sich die Kontrolle über das Werkstück.

Kühlung ist ein entscheidender Faktor. Druckluft ist eine einfache Lösung. Alternativ kann ein geeignetes Sprühmittel eingesetzt werden. Kühlung verhindert das Schmelzen des Materials.

Ein gleichmäßiger Arbeitsfluss ist wichtig. Ruckartige Bewegungen erzeugen Hitze und Spannungen. Besonders bei CNC-Maschinen ist eine präzise Kalibrierung erforderlich. Nur so entstehen exakte Konturen und Bohrungen.

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Eine funktionierende Staubabsaugung erhöht zudem die Sicherheit. Sie verhindert, dass Späne erneut in den Fräsbereich gelangen.

Nachbearbeitung und Polieren der Kanten

Nach dem Fräsen sollten die Kanten entgratet werden. Kleine Unebenheiten lassen sich mit feinem Schleifpapier entfernen. Dabei ist Geduld gefragt.

Für hochglänzende Kanten eignet sich Polierpaste. Alternativ kann vorsichtig mit einer Flamme gearbeitet werden. Dabei ist jedoch Erfahrung notwendig.

Das Polieren sorgt nicht nur für eine schöne Optik. Es verbessert auch die Haptik. Gerade bei Sichtkanten ist dieser Schritt wichtig.

Abschließend sollte die Schutzfolie entfernt werden. Nun zeigt sich das fertige Ergebnis. Saubere Kanten und klare Oberflächen sprechen für eine korrekte Bearbeitung.

Der entscheidende Materialunterschied: Plexiglas GS vs. XT beim Fräsen

Bevor Sie mit dem Plexiglas fräsen beginnen, müssen Sie wissen, ob Sie extrudiertes (XT) oder gegossenes (GS) Material vor sich haben. Gegossenes Acrylglas (GS) lässt sich deutlich sauberer bearbeiten, da es beim Erhitzen nicht so schnell schmilzt und weniger zu Spannungsrissen neigt.

Extrudiertes Plexiglas (XT) hingegen ist beim Fräsen weitaus empfindlicher; hier ist eine aktive Kühlung und ein extrem scharfes Werkzeug essenziell, um ein Verkleben des Fräsers zu vermeiden. Für hochwertige Sichtkanten und komplexe Konturen ist gegossenes Material daher fast immer die bessere Wahl für Ihr Projekt.

Die Wahl des richtigen Fräsers: Warum ein Einschneider Pflicht ist

Ein häufiger Fehler beim Plexiglas fräsen ist die Verwendung von Standard-Holzfräsern mit zwei oder mehr Schneiden. Diese transportieren die Späne nicht schnell genug ab, was zu einer enormen Hitzeentwicklung führt und das Material schmelzen lässt.

Profis setzen stattdessen konsequent auf Einschneidfräser mit polierter Spannut. Ein Einschneider bietet mehr Platz für den Spanauswurf und sorgt dafür, dass die Reibungswärme minimiert wird. Achten Sie darauf, dass der Fräser scharf und speziell für Kunststoffe geeignet ist, um gratfreie Kanten und glasklare Ergebnisse ohne Nachbearbeitung zu erzielen.

Häufige Fehler und wie man sie vermeidet

Ein häufiger Fehler ist eine zu niedrige Drehzahl. Dadurch entsteht Reibung. Das Material beginnt zu schmelzen. Ebenso problematisch ist ein zu hoher Vorschub. Er verursacht Ausbrüche.

Auch mangelnde Fixierung führt zu Problemen. Das Werkstück kann sich bewegen. Dadurch entstehen unsaubere Schnitte.

Bei CNC-Arbeiten ist die Kalibrierung entscheidend. Schon kleine Abweichungen führen zu Maßfehlern. Eine Staubabsaugung sollte immer genutzt werden.

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Anfänger sollten mit dünnen Platten bis 5 mm beginnen. So sammeln sie Erfahrung. Mit zunehmender Routine lassen sich auch dickere Materialien sicher bearbeiten.

Fazit

Plexiglas fräsen gelingt präzise und sauber, wenn Werkzeug, Drehzahl und Kühlung optimal abgestimmt sind. Mit scharfen VHM- oder Diamantfräsern, stabiler Fixierung und mehrstufiger Zustellung vermeiden Sie Schmelzen und Risse zuverlässig. Wer sorgfältig arbeitet, erzielt professionelle Ergebnisse – ob mit Handfräse oder CNC-Router. Starten Sie jetzt Ihr Projekt und setzen Sie Acrylglas perfekt in Form.


FAQ

Kann man Plexiglas mit einer normalen Oberfräse fräsen?

Ja, das Fräsen von Plexiglas mit einer handelsüblichen Oberfräse ist für Heimwerker absolut machbar. Wichtig ist dabei eine stabile Führung und die Verwendung eines scharfen Einschneidfräsers, um Hitzestau zu vermeiden.

Warum schmilzt das Plexiglas beim Fräsen?

Plexiglas schmilzt, wenn die Reibungswärme des Fräsers höher ist als der Schmelzpunkt des Kunststoffs. Dies passiert meist durch eine zu hohe Drehzahl, einen zu langsamen Vorschub oder stumpfe Werkzeugschneiden.

Welches Plexiglas ist am besten zum Fräsen geeignet?

Gegossenes Plexiglas (GS) ist aufgrund seiner höheren Molekularmasse wesentlich besser zum Fräsen geeignet als extrudiertes Material (XT). Es splittert weniger und schmilzt nicht so schnell an der Schnittkante fest.

Muss man beim Fräsen von Acrylglas kühlen?

Bei dünneren Platten und kurzen Wegen reicht oft Druckluft zur Kühlung und Spanabfuhr völlig aus. Bei dicken Materialien oder hohen Geschwindigkeiten ist eine Wasserkühlung oder ein spezielles Kühlmittel jedoch empfehlenswert.

Welche Drehzahl sollte ich einstellen?

Die optimale Drehzahl hängt vom Fräserdurchmesser ab, liegt aber meist im mittleren Bereich zwischen 10.000 und 15.000 Umdrehungen pro Minute. Ein zu schnelles Drehen führt fast unweigerlich zum Schmelzen der Kante.

Wie verhindere ich Ausrisse an den Kanten?

Verwenden Sie eine stabile Unterlage (Opferplatte) und fixieren Sie das Werkstück absolut rüttelfrei, idealerweise mit einem Vakuumbett oder starken Zwingen. Zudem sollte der Fräser immer im Gegenlauf in das Material eindringen.

Kann ich Plexiglas trocken fräsen?

Trockenfräsen ist möglich, sofern Sie einen scharfen Einschneidfräser nutzen und die Späne sofort absaugen oder wegblasen. Ohne Spanabfuhr sammeln sich die heißen Reste im Kanal und verkleben sofort wieder mit dem Werkstück.

Wie poliere ich die Kanten nach dem Fräsen?

Nach dem Fräsen können Sie die Kanten zunächst fein schleifen und anschließend mit einer Polierpaste und einer Schwabbelscheibe bearbeiten. Alternativ eignet sich das Flammpolieren mit einem speziellen Gasbrenner für glasklare Ergebnisse.

Welchen Durchmesser sollte der Fräser haben?

Für die meisten Anwendungen beim Plexiglas fräsen sind Durchmesser zwischen 3 mm und 6 mm ideal. Kleinere Fräser sind bruchanfälliger, während größere Fräser mehr Reibungswärme erzeugen können.

Ist der Staub beim Plexiglas fräsen gefährlich?

Die Späne sind zwar nicht giftig, können aber scharfkantig sein und bei hoher Geschwindigkeit die Augen verletzen. Tragen Sie daher beim Fräsen immer eine Schutzbrille und nutzen Sie eine effektive Absaugung.

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