Schallschutz im Innenausbau: Normen, Kennzahlen und Montagetechniken für Handwerker

Gerade Schallschutz im Innenausbau ist einer der Bereiche, bei denen mangelhafte Planung und Ausführung erst auffallen, wenn die Wand schon steht. Nachträglicher Änderungsbedarf ist dann kostspielig, aufwendig und nötigt häufig zum Rückbau ganzer Wandkonstruktionen. Wer die Normen kennt, die Kennzahlen versteht und schon von Anbeginn Montagefehler vermeidet, hat Ergebnisse, die auch dauerhaft funktionieren und rechtlich „wasserdicht“ sind.

Schallschutz im Innenausbau: Normen, Kennzahlen und Montagetechniken für Handwerker
Schallschutz im Innenausbau: Normen, Kennzahlen und Montagetechniken für Handwerker

DIN 4109: Normen und Mindestanforderungen im Überblick


Die zentrale Norm für den baulichen Schallschutz in Deutschland ist die DIN 4109, die zuletzt grundlegend überarbeitet und als DIN 4109–1:2018–01 veröffentlicht wurde. Diese Norm legt Mindestanforderungen für die Schalldämmung von Bauteilen in Wohn- und Arbeitsgebäuden fest. Das wichtigste Merkmal ist das bewertete Schalldämm-Maß Rw, angegeben in Dezibel. Es sagt aus um wieviele Dezibel ein Bauteil Luftschall mindert.

Für Wände zwischen zwei Wohneinheiten schreibt die Norm ein resultierendes Schalldämm-Maß Rw von mindestens 53 dB vor. Der Strich im Symbol R`w bedeutet, dass hier das Maß für den tatsächlich im eingebauten Zustand gemessenen Wert genommen wird. Im Regelfall liegt dieser Wert durch Flankenübertragung, also Schallweiterleitung über angrenzende Bauteile (Decken, Seitenwände) regelmäßig um 2 bis 5 dB unter dem im Labor ermittelten Laborwert. Dieses Vorhaltemaß muss in der Planungszeit berücksichtigt werden.

Wer über diese gesetzlich vorgegebenen Mindestwerte hinaus will, orientiert sich an der VDI 4100, die drei Schallschutzstufen (SStI bis III) vorschreibt. Schallschutzstufe III entspricht dem hohen Komfort und wird für Neubauten mit gehobenen Ansprüchen empfohlen. Für trennende Wände bedeutet das konkret: R`w 59 dB.
Für den Schallschutz für die Wand stehen uns genügend Systeme je nach Bauteilkategorie und Anforderungsklasse zur Verfügung. Die Laborwerte aus den Produktdatenblättern dürfen nicht einfach als Planungswerte übernommen werden, sondern müssen stets um das Vorhaltemaß für Flankenübertragung korrigiert

werden, sonst sind nach Fertigstellung der Normabweichungen vorprogrammiert.

Lesen Sie auch:  Form, Richtung und Wirkung: So verändern verschiedene Verlegearten Räume

Luftschall, Tritt- und Körperschall

Schall breitet sich grundsätzlich auf drei verschiedene Arten aus. Luftschall ist der Schall, der sich in der Luft bewegt: Sprache, Musik, Straßenlärm. Trittschall entsteht durch mechanische Anregung einer Fläche, also durch Schritte auf der Decke. Körperschall wird direkt in die Bauteile eingeleitet, beispielsweise durch Rohrleitungen, Pumpen oder Aufzuganlagen.

Wandkonstruktionen müssen also im wesentlichen gegen Luftschall bemessen werden. Der zugehörige Bewertungsparameter ist R‘w. Der Beurteilung dienen neben diesem Wert die Spektrum—Anpassungsmaße C und Ctr. C ist für tiefere Quellen wie Musik anwendbar, Ctr für tiefere Verkehrlärmquellen. Der Rechenwert Rw + C oder Rw + Ctr gibt ein der Wirklichkeit näher kommendes Bild der Dämmwirkung unter praktischen Alltagsbedingungen als der blanke Rw Wert.

Berechnungsbeispiel: Rw = 55 dB, C = —2 dB, damit Rw + C = 53 dB. Genau dieser Wert ist für den Vergleich mit Norm-Anforderungen entscheidend.

Montagetechnik: Schallbrücken unbedingt vermeiden


Die häufigste Panne im Schallschutz ist die Schallbrücke. Hierzu gehören starre, d. h. miteinander verleimte Verbindungen zwischen zwei Bauteilen, die den Entkopplungseffekt jeder Konstruktion aufheben. So genügt es, Metallständer starr zu verschrauben, z. B. an eine flankierende Massivwand ohne Trennstreifen, um die Schalldämmwerte der so konstruierten Trockenbauwand um 10 dB und mehr zu verschlechtern. Zehn Dezibel entsprechen subjektiv etwa einer Halbierung des Schallpegels.

Praktische Maßnahmen gegen Schallbrücken:

Randprofile und Ständerprofile stets mit Akustikdichtband, z. B. selbstklebendem EPDM-Band 3–5 mm dick, vom angrenzenden Bauteil entkoppeln.

Installationsdosen in Trennwänden niemals spiegelbildlich gegenüberliegend anordnen, sondern mit seitlichem Versatz von mindestens 50 cm und beidseitig mit Hohlraumdämmung ausführen.
Fugen zwischen Wandanschluss und Decke mit Mineralwolle und Acryl-Dichtstoff völlig ausfüllen und nicht offen lassen. Bei zweischaligen Bauteilen sind die beiden Schalen komplett voneinander zu entkoppeln, auch am Fußpunkt und am Deckenanschluss.

Lesen Sie auch:  Wärmespeicher: Die Zukunft der Energieversorgung

Untersuchungen des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik (IBP) zeigen, dass die Schallschutzwerte echter Baustellen oft 5 bis 10 dB schlechter ausfallen als die im Labor geprüften Werte. Der Hauptschuldige sind unkontrollierte Schallbrücken, die bei mangelhafter Konstruktion praktisch nicht ausbleiben.


Materialwahl nach Kennzahlen: das Massegesetz


Das Massegesetz besagt folgendes: Verdoppelt sich die flächenbezogene Masse m‘ eines Bauteils, so verbessert sich das Schalldämm-Maß um etwa 6 dB. Mit dieser Masse allein erreichen Massivwände aus Stahlbeton mit flächenbezogener Masse von über 400 kg/m² rein durch Masse Rw-Werte von über 60 dB. Trockenbauwände sind erheblich leichter und erzielen vergleichbare Werte nur durch zweischalige Bauweise mit entkoppelten Schalen und zumal gezielter Dämmfüllung.

Für Trockenbauwände mit erhöhtem Schallschutzbedarf sind folgende Ausführungsparameter empfehlenswert:
mindestens zwei Lagen Gipskartonplatten je 12,5 mm dick pro Wandseite, besser noch Gipsfaserplatten (Fermacell) mit höherer Rohdichte zur besseren Massewirkung, Mineralwolle als Hohlraumdämmung mit mindestens 40 mm Einbaudicke und einem Strömungswiderstand von r ≥ 5 kPa·s/m², dazu CW-Profile mit 75 mm oder 100 mm Breite zur ausreichenden Dimensionierung der Hohlräume.

Produktseitig sind CE-gekennzeichnete Systeme mit nachgewiesenen Systemwerten zu favorisieren. Systemprüfzeugnisse nach DIN EN ISO 10140 und DIN EN ISO 717-1 liefern verlässliche Planungsgrundlagen als rechnerisch hergeleitete Einzelwerte. Wer diese Kennzahlen bei Produktauswahl und Ausführung konsequent beachtet, wird die Differenzen zwischen Planungsziel und Messergebnis nach Fertigstellung möglichst klein halten können. Schallschutz funktioniert nur dann verlässlich, wenn Norm, Konstruktion, Material und Montagedetail als Einheit geplant werden, nicht als voneinander unabhängige Einzelentscheidungen.

Klicke, um diesen Beitrag zu bewerten!
[Gesamt: 0 Durchschnitt: 0]

Mehr anzeigen
Schaltfläche "Zurück zum Anfang"