Grundstück einfrieden: Hecke, Zaun oder Kombilösung?

Wer sein Grundstück abgrenzen möchte, hat eine Entscheidung von langer Wirkung zu treffen. Hecke, Zaun oder Kombination von beidem tun alle dasselbe, unterscheiden sich im Materialaufwand, Aussehen, Pflegeaufwand und Preis jedoch erheblich. Die richtige Wahl hängt ab von der gewünschten Sichtdichtigkeit, der Beschaffenheit des Bodens, dem Zeitbudget für Pflege und der zuständigen Bauordnung am Standort.

Grundstück einfrieden: Hecke, Zaun oder Kombilösung? [Bildinhalt mit KI erstellt]
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Rechtliche Grundlagen und Abstandsregeln

Bevor Spaten oder Pfosten in den Boden kommen, sind die rechtlichen Bedingungen des jeweiligen Bundeslandes zu prüfen. In Deutschland regeln die Nachbarrechtsgesetze der einzelnen Bundesländer, welche Abstände, Bepflanzungen und Einfriedungen zur Grundstücksgrenze einhalten müssen. Diese Vorschriften variieren nach Bundesland und bei Hecken auch nach der Wuchshöhe der Pflanzen. Eine Sichtschutz Hecke hat somit andere Abstandsregeln zu beachten als ein klassischer Festzaun.

In Baden-Württemberg wird in § 12 des Nachbarrechtsgesetzes (NachbG BW) folgendes bestimmt: Für Hecken bis 1,20 Meter Höhe ist ein Grenzabstand von 0,50 Meter einzuhalten, bis 3,00 Meter Höhe 1,00 Meter, darüber mindestens 1,50 Meter. Entsprechende Staffelungen finden sich auch in Bayern, Nordrhein-Westfalen und den übrigen Bundesländern, wo die Werte im einzelnen abweichen.

Zäune sind in den meisten Bundesländern bis zu einer Höhe von 1,80 Meter ohne Baugenehmigung an der Grundstücksgrenze zulässig, es sei denn, dass Bebauungspläne der eigenen Gemeinde engere Grenzen ziehen. Auskunft gibt die Landesbauordnung sowie ein kurzer Besuch beim zuständigen Bauamt, bevor Material beschafft wird.


Hecken als Einfriedung: Arten, Pflanzabstände und Wuchsverhalten


Die Entscheidung für eine Hecke ist eine Entscheidung für Jahrzehnte. Wer heute pflanzt, muß zwei bis fünf Jahre warten, bis die üppige, blickdichte Wand entsteht, je nach Art des Gehölzes. Schnell wachsende Arten wie Hainbuche (Carpinus betulus) und Feldahorn (Acer campestre) haben Jahreszuwächse von 30 bis 50 cm. Liguster (Ligustrum vulgare) wächst mit 20 bis 40 cm nicht ganz so schnell, hat aber dichtes Blattwerk und ist sehr schnittverträglich; Eibe (Taxus baccata) ist sehr langsam wachsend mit 10 bis 20 cm, aber höchst langlebig, tiefwurzelnd, bis zur Basis schnittfest.

Der Pflanzabstand richtet sich nach der späteren Breite der Baumkronen. Bei Heckenpflanzen können Sie etwa 30 bis 60 cm rechnen, bei starkwüchsigen Arten wie Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus) eher 60 bis 80 cm. Um eine lückenlose dichte Wandung zu erzielen, pflanzen Sie am besten zweireihig im Versatz, was naturgemäß den Bedarf verdoppelt, die Sichtdichtigkeit aber wesentlich erhöht. Bei der Bodenvorbereitung ist handwerkliche Sorgfalt sehr wichtig. Der Pflanzstreifen ist 60 bis 80 cm tief zu lockern.

Bei verdichtetem Untergrund empfiehlt es sich, reifen Kompost und groben Sand beizumischen, um die Wasserführung zu verbessern. Ein Unkrautschutzvlies, gleich nach der Pflanzung ausgelegt, vermindert in den ersten Jahren erheblich den Pflegeaufwand, muß aber wasserdurchlässig sein.

Zäune: Materialwahl, Bauart und Standfestigkeit

Ein Zaun gibt sofort Sichtschutz, ohne Wartefrist. Die Materialwahl bestimmt Langlebigkeit, Pflegeaufwand und Gesamtkosten über die Nutzungszeit.

Druckimprägniertes Kiefernholz oder naturresistente Holzarten wie Robinie (Robinia pseudoacacia, Resistenzklasse 1, EN 350) oder Lärche (Larix decidua, Klasse 3) sind für den Außenbereich ohne weitere aufwändige Nachbehandlung geeignet. Weniger beständige Holzarten setzen ohne regelmäßiges Lasieren oder Ölen (alle zwei bis drei Jahre) nach fünf bis sieben Jahren die Verwitterung ein. Einen kritischen Punkt stellt die Pfostenverankerung dar: Einbetonierte Pfosten halten wesentlich länger als in Erdanker gesteckte, allerdings ist der spätere Rückbau viel beschwerlicher.

Feuerverzinkter Stahl oder Aluminium bietet größere Langlebigkeit und weniger Pflegeaufwand. Verzinkte Doppelstabmatten in Drahtqualität nach DIN EN 10218 sind die am meisten verbreitete Zaunlösung. Sie sind in Maschenweiten von 50 x 200 mm bis 100 x 200 mm erhältlich und mit gängigen Pfostensystemen kombinierbar. Aluminiumprofile sind durch ihre natürliche Oxidschicht rostfrei und eignen sich besonders für Feuchtlagen und Küstennähe.

WPC (Wood Plastic Composite) aus Holzfasern und Kunststoffanteilen wird mit hoher Witterungsbeständigkeit beworben. Die tatsächliche Langzeitqualität hängt allerdings stark vom Kunststoffanteil und dem zugesetzten UV-Stabilisator ab. Produkte mit mindestens 50 % Kunststoffanteil und zugesetztem UV-Stabilisator zeigen laut Herstellerangaben eine deutlich geringere Verfärbung als die günstigeren Einstiegsprodukte.

Kombilösungen: Wenn Zaun und Hecke zusammenpassen

Die Verbindung von Zaun und Hecke ist keine Kompromisslösung, sondern eine handwerklich sinnvolle Lösung. In den ersten Jahren leisten wir selber Sichtschutzdienst, ein Zaun wird uns gute Dienste tun, bis die Hecke dahinter etwas geworden ist. Ist sie dann dicht genug, kann der Zaun weg, falls gewünscht, oder als Stütze stehen bleiben.
Eine niedrige Gabionenwand hat sich als hervorragender Sockel bewährt, auf dem wir gleich dahinter eine Heckenpflanzung ansäen. Gabionen aus verzinktem oder beschichtetem Stahldraht lassen sich ohne Fundamentguss setzen, wenn der Untergrund tragfähig und frostfrei ist. Sie liefern sofort einen schönen Abschluß nach unten, unterdrücken Wildkräuter und geben der Bepflanzung eine schöne untere Grenze. Eine echte Sofortschutzlösung ist das Gabionenpaket bis 60 cm Höhe, dahinter gesetzt eine Hecke.

Wer eine Kombilösung plant, muss beachten: zuerst den Zaun, dann die Hecke pflanzen. Zwischen Zaunpfosten und Pflanzreihe muss ein Abstand von 30–40 cm bestehen, damit wachsende Äste nicht den Zaun aus der Form bringen und damit spätere Pflegezwänge zwischen den Elementen nicht unmöglich werden.

Die Entscheidung zwischen Hecke und Zaun und zwischen Kombilösung ist selten klar. Wer einen langen Atem hat und für die Anlage einen durchweg passenden Standort findet, fährt mit Hecken ökologisch und auch optisch auf lange Sicht meist besser. Wer aber schnell Privatheit braucht, muss zum Zaun greifen. Wer beides vereinen will, also Zaun und Hecke oder Gabionen und Hecke, sollte aber vor dem ersten Spatenstich einen klaren Plan vor sich liegen haben über Abstand, Material und Wuchsverhalten.

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